Hochwasserschutz: dezentral, bezahlbar und naturschutzkonform

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Erddamm mit Noppen-Drainfolie

Am 27.09.2016 wurde auf den Eigentumsflächen des NaSa e.V. in Wingendorf (Stadt Oederan) eine neuartige Hochwasserschutzmethode vorgestellt, die sowohl für den Neubau als auch bei der Sanierung von Teichdämmen und Deichen angewandt werden und erhebliche Baukosten einsparen kann.

Ausgangspunkt für die Baumaßnahme waren erhebliche Schäden an einem Erddamm in einer Bachsenke, die durch das Hochwasser 2013 verursacht wurden, so dass seitdem der Hochwasserschutz für die Unterlieger nicht mehr gewährleistet war.

Der Naturschutzverband hatte sich nach Anfrage der Stadt Oederan sofort bereit erklärt, Teile seiner Flächen für ein gemeinsam zu entwickelndes Hochwasserschutzprojekt zur Verfügung zu stellen, weil damit seine Zielvorstellungen zum dezentralen Hochwasserschutz bzw. Wasserrückhalt in der Fläche beispielhaft umgesetzt werden können. Dass sich Hochwasserschutz und Naturschutz nicht ausschließen, sollte das Projekt ebenfalls zeigen. Im künftigen Stauraum des kleinen Hochwasserrückhaltebeckens wird ein dauerhaftes Feuchtbiotop entwickelt, um neuen Lebensraum vor allem für gefährdete Amphibienarten zu schaffen.

Die durch die Firma aqua pons Ingenieurgesellschaft mbH aus Gera entwickelte neuartige Sanierungsmethode besteht aus dem Einbau einer Noppen-Drain-Folie in den zerstörten Damm, welche als Dichtung wirkt. Einsickerndes Wasser sowohl aus dem Teich/Fließgewässer als auch aus dem Grundwasser wird durch in der Basis der Foliendichtung eingebaute Drainrohre vollständig abgeleitet. So erreicht der Erddamm eine Stabilität, die bisher nur durch aufwändige Lehmdichtungen oder durch den Einbau von Spundwänden erreicht werden konnte. Durch die Verwendung des vorhandenen Erdmaterials entfallen auch aufwändige Transporte bzw. Entsorgungskosten.

Bemerkenswert ist vor allem, dass mit der neuen Methode die Baukosten bei Dammsanierungen um bis zu 2/3 Drittel gesenkt werden können.

Damit erhält der Ansatz des dezentralen Hochwasserschutzes einen deutlichen Schub. Waren doch bisher die Kostenargumente im Vergleich zwischen vielen kleinen, dezentralen Rückhaltebecken in der Feldflur und wenigen großen, talsperrenartigen Hochwasserrückhaltebecken immer zugunsten der großen Becken formuliert worden. Mit der neuen Methode besteht jetzt u.a. die Möglichkeit, vorhandene, aber häufig beschädigte Teiche für die Wasserrückhaltung mit überschaubaren Kosten zu sanieren und gleichzeitig für eine größere Rückhaltemenge zu optimieren, denn die Methode schließt auch Erhöhungen vorhandener Dämme ein.

Vielleicht deshalb war es gar nicht so erstaunlich, dass sich bei der Vorstellung des Projekts vor Ort trotz Einladung kein einziger Vertreter der für den Hochwasserschutz in Sachsen zuständigen staatlichen Landestalsperrenverwaltung blicken lies. Wahrscheinlich entspricht die Kosteneinsparung nicht den Vorstellungen der offensichtlich gern mit besonders großen Summen jonglierenden Staatsangestellten.

 

 

 

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