Zeichen in der Landschaft

Das Motto unseres Vereins „Zeichen in der Landschaft zu setzen“, wirft offenbar manchmal auch Fragezeichen auf. So kontaktierte uns die Freie Presse mit der Anfrage, was es mit einem „geheimen, mit einer Hecke umzäunten Feld“ bei Gahlenz (Landkreis Mittelsachsen) auf sich hätte. Nun, der unten stehende Artikel von Michael Kunze, veröffentlicht nach einem Interview mit Tobias Mehnert am 20.12.2016 in der Freien Presse Flöha, kann aufklären. Die Anfrage wirft unserer Meinung aber auch ein Schlaglicht darauf, dass der ökologische Wert von Ackerstilllegungen bzw. -brachen sowie Feldhecken leider von vielen Menschen nicht oder nur unzureichend gewürdigt wird. Diese Flächen sind in einer ansonsten intensiv genutzten Landschaft die letzten Rückzugsräume für Offenland bewohnende Tiere wie das Rebhuhn, aber auch wichtige Nahrungsflächen für unsere Zugvögel. Während des Vogelzuges im Herbst und Frühjahr sind nämlich die meisten Äcker entweder geerntet, gepflügt oder bereits wieder eingesät, Feld- und Wegränder aus „Ordnungsgründen“ kurzgemäht und selbst das Grünland ein letztes bzw. erstes Mal gemäht. Samenstände, welche die Nahrung z.B. für unsere Finkenarten bereitstellen, sucht man vergebens. Aber auch wer Feldhasen finden will, muss nur in den Brachen suchen.

Der Artikel – aber auch unsere gesamte Vereinsphilosphie – ist deshalb ein Plädoyer für die Brache.

Flöhaer Zeitung | 20. Dezember 2016 | Seite 10

Rätsel um „geheimes Feld“ gelöst

Ein Hunderte Meter langer, üppig bewachsener, dazu teils umzäunter Streifen an der Straße von Gahlenz nach Eppendorf hat für Gerüchte gesorgt. Naturschützer Mehnert bringt Licht ins Dunkel.

Von Michael Kunze

Eppendorf/Gahlenz – Was monatelang geblüht hat und sprießte in Sichtweite rechts der Verbindungsstraße von Gahlenz nach Eppendorf, liegt nun herbsttypisch grau und etwas trist in der Landschaft: ein Streifen aus brachliegendem Ackerland und einer langgestreckten Hecke. Beide verlaufen parallel zum Wald. Leser hatten gegenüber der „Freien Presse“ gar von einem „geheimen Feld“ gesprochen – neugierig darauf, was es insbesondere mit der umzäunten Hecke auf sich hat.

Der Vorsitzende des Naturschutzverbandes Sachsen (Nasa), Tobias Mehnert, klärt auf: Sieben Hektar groß seien die streifenförmige, klassische Ackerfläche direkt am Wald und die Hecke davor zusammen. Beides wird nur durch den von der Straße abzweigenden Rosenweg unterbrochen. Das Ackerflurstück sei für fünf Jahre – noch bis 2021 – stillgelegt und gehöre wie die Hecke dem Naturschutzverband. Letztere sei herangewachsen zum Beispiel aus Schlehe und Weißdorn, Holunder, Haselnusssträuchern und Hagebutte. Deren rote Früchte sind angesichts der entlaubten Sträucher weithin sichtbar. Nach Ablauf des Zeitraums gehe nur der Ackerstreifen zwischen Hecke und Wald in die reguläre Bewirtschaftung zurück, sagt der 55-Jährige. Das eingezäunte Areal bleibe als Hecke bestehen. Diese soll dazu dienen, die Artenvielfalt wenn nicht zu erhöhen, so doch immerhin zu erhalten und als Voraussetzung dafür die Feldflur stärker zu gliedern. Diese sei durch die industrielle Landwirtschaft seit Jahrzehnten vielerorts stark beeinträchtigt.

„Dabei handelt es sich aber nur um einen Tropfen auf den heißen Stein. Wir bräuchten viel mehr Stilllegungen“, sagt der Gahlenzer. Er sieht darin nicht nur einen Beitrag zur Stärkung der Biodiversität, sondern auch zur Stabilisierung der Agrarpreise, die in vielen Bereichen im Keller seien. Das liege nicht zuletzt am zu großen Angebot.

Für die Ackerstilllegung und die Hecke zahle der Freistaat Sachsen aus Mitteln der Europäischen Union eine Prämie. Der Fördermittelgeber hat dabei festgelegt, dass etwa die Hecke einzuzäunen sei, um sie gegen Verbiss von Wildtieren zu schützen. Wenn der Fünf-Jahres-Zeitraum für den Acker abgelaufen sei, werde das, was darauf ohne menschliches Zutun gewachsen sei, zunächst gemulcht, so Mehnert.

Das Instrument des Flächenkaufes und -tausches ist für ihn und seine Mitstreiter dabei das bevorzugte. „Unsere ‚wilden‘ Ecken animieren zur Diskussion, zur Auseinandersetzung über Naturschutz“, heißt es auf der Internetseite des Verbandes. Wer nachhaltig wirtschaften wolle, dürfe Naturschutz nicht außer Acht lassen, den der Nasa als „Lebensraumschutz auch für den Menschen“ versteht. Der als Verein organisierte Verband kauft seit Jahren Flächen – „und wir sind weiterhin auf der Suche“, sagt Mehnert –, um sie aus der landwirtschaftlichen Nutzung zu nehmen.

Dabei gehe es nicht nur um verstreute Flecken, sondern besonders um zusammenhängende Gebiete wie Uferbereiche von Großer Striegis, Triebisch, Flöha, Bobritzsch, Zschopau, Zwickauer Mulde. Mit dem Flächenkauf werde das Ziel verfolgt, einen durchgängigen, sich selbst überlassenen und von selbst funktionierenden Naturverbund zu verwirklichen. Konkret die Hecke zwischen Gahlenz und Eppendorf soll unter anderem Brutplätze und Nahrung für Vögel bieten. Die Hoffnung: dass sich dort wie anderswo langfristig wieder Arten entfalten, die den Naturraum über Jahrhunderte besiedelt und geprägt haben.

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