Ein Lob auf die Brachen…

Viele reden über das Insektensterben. Es gibt sicher einige Gründe, die dazu geführt haben, dass wir deutlich weniger Insekten als früher in der Landschaft haben. Aber neben dem Effizienzgedanken, der zur Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung geführt hat, sind es auch wir Menschen in Stadt und Land, die mit einem falschen Schönheitsempfinden die Natur betrachten. Brachen in der Landschaft, die insektenreichsten Lebensräume überhaupt, werden als „unordentlich, häßlich chaotisch“ empfunden. Wie schnell kommt der Ruf – wann wird denn endlich mal gemäht – wenn das Gras der Straßen- und Wegränder hochgewachsen ist, wenn eine Wiese im Juli noch nicht gehauen wurde, wenn Grünflächen „verunkrauten“ oder – das ist für manche am schlimmsten – eine Fläche jahrelang „vernachlässigt“ oder nicht genutzt wird. Letztere wird dann gern als „vogelfrei“ gesehen und von den gut meinenden Nachbarn gleich mal mit „gepflegt“…  In das Pflege-Thema gehören auch sogenannte „Landschaftspflegeverbände“… als ob Natur „gepflegt“ werden müsste … aber das ist einem weiteren Beitrag vorbehalten. Wir wagen zu prophezeihen – so lange makelloses Einheitsgrün einer 3 bis 10mal im Jahr gemähten Wiese noch als schön empfunden wird, so lange wird uns das Insektensterben als Problem begleiten. Jede Mahd vernichtet das Insektenleben auf der betroffenen Wiese fast vollständig! Und es geht dabei nicht um die eingeführte Honigbiene, das Züchtungsprodukt des Menschen, welches niemals vom Aussterben bedroht war und ist, in dessem Schatten aber z.B. allein in Deutschland weitere 500 Wildbienenarten nicht nur vernachlässigt, sondern – wie bei der einheimischen Dunklen Honigbiene – durch Hybridisierung, Verfolgung und eingeschleppte Krankheiten sowie dem Verlust ihrer Lebensräume dezimiert werden. Übrigens – das Drüsige bzw. Indische Springkraut, ein „böser“ Neophyt, den es in EU zu bekämpfen gilt – stellt mit 0,47 mg Nektar pro Pflanze und pro Stunde etwa vierzigmal so viel Nektar her wie eine vergleichbare heimische Pflanze –  genutzt vorwiegend durch Honigbienen und Hummeln. Besonders wertvoll ist, dass diese Pflanze bis zum ersten Frost blüht, also eine letzte reichhaltige Nahrungsquelle für Insekten bietet, wo andere heimische Blütenpflanzen schon lange nicht mehr blühen bzw. abgemäht wurden.

 

 

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3 Antworten zu “Ein Lob auf die Brachen…

  1. Mit etwas Sarkasmus: Gut, dass wir in unserer Landschaft noch blühende Straßenränder haben, die Feldraine geben in der Regel ja nichts mehr her. Fotos lassen sich leider nicht einfügen(?).

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  2. …übrigens, die „verfluchten“ Bestände vom Japanischen Staudenknöterich ist mittlerweile Brutplätze u.a. für die Goldammer und Rohrsänger-Arten geworden

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