Bücherschätze für lange Abende …

20190119_114215Wie nicht anders zu erwarten, sind die nachfolgenden Bücher Empfehlungen für Leser, die sich im weitesten Sinn für die Natur interessieren. Zu Unrecht – so finden wir – stehen sie nicht auf der Bestseller-Liste, vielleicht, weil sie weder als reines Sachbuch noch als reine Belletristik eingeordnet werden wollen. Diese literarische  „Zwischenwelt“ beherrschen nicht viele. Nicht ohne Grund sind sie nicht von deutschen Autoren verfasst (haben aber kongeniale Übersetzer gefunden!). Die Deutschen neigen so gern zum Kategorisieren … Aus unserer Sicht sind diese Bücher wahre Perlen, sowohl was den Inhalt als auch die Sprachmächtigkeit betrifft. Sie alle vermitteln Wissen, verschieben aber auch den Blickwinkel auf die Dinge und deren Zusammenhänge. Die beiden ersten Bücher aus dem Mattes & Seitz-Verlag sind Bestandteil der Reihe „Naturkunden“, die sich „der leidenschaftlichen Erforschung der Welt“ (Zitat des Verlages) verschrieben haben. Sicherlich lohnt es, diese auch optisch und haptisch schön gestaltete Reihe selbst weiter zu erkunden.


Robert Macfarlane – „Karte der Wildnis“ (Verlag Matthes & Seitz, Berlin)

Robert Mcfarlane sucht die letzten Flecken Wildnis in Großbritannien und findet sie nicht nur an der Küste, in den Mooren und Hochebenen Schottlands sowie der Kalksteinlandschaft Irlands sondern auch in alten Hohlwegen Englands und in der Stadt. Das alles im Kontext zu philosophischen und kulturgeschichtlichen Betrachtungen. Nicht zuletzt erfährt mehr über die Geologie, Natur und Besiedlung Großbritanniens als die meisten Reiseführer. So schön geschrieben, dass man manche Sätze und Abschnitte einfach mehrfach lesen muss! Und nicht zuletzt verschiebt sich der Fokus dessen, was man als „Wildnis“ bezeichnet, in ungeahnter Weise.


Robert Mcfarlane – „Alte Wege“ (Verlag Matthes & Seitz, Berlin)

Das Buch führt über Großbritannien hinaus bis nach Spanien, Palästina und in den Himalaya. Der mehrfach preisgekrönte britische Autor folgt den historischen Wegen und erkundet an ihnen die Natur- und Kulturgeschichte der Orte, die sie verbinden. Auch hier ist die Schönheit der Sprache und die immer präsente philosophische Dimension bewundernswert. Nicht zuletzt ist das Buch ein Zeugnis davon, dass man eine Landschaft nur begreift, wenn man sie sich zu Fuß erwandert.


John Lewis-Stempel – „Ein Stück Land“ Mein Leben mit Pflanzen und Tieren (Verlag Dumont)

Selten wurde der Jahresverlauf einer Wiese, die zur Farm des Autors gehört, mit allen ihren Bewohnern so poetisch und aussdrucksstark beschrieben wie hier. Mit der Beschreibung des Treibens der „wilden“ Bewohner auf, über, neben und unter der Wiese (Rotmilan, Dachs, Maulwurf, Regenwurm, Fuchs u.a.) und ihrem Beziehungsgefüge werden so nebenbei 500 Jahre Kulturlandschaft und Naturliteratur verwoben. Hier wird die Welt des Großen im Kleinen beschrieben, wunderschön!


Henk Gerritsen – „Gartenmanifest“ (Ulmer-Verlag)

Das Kultbuch des „wilden gärtnerns“. Henk Gerritsen hat seine Leidenschaft für wilde Blumen und deren natürliche Lebensräume so sublimiert, so dass kein „Nachbasteln“ im Garten daraus wurde (Stichwort Steingarten), sondern eine neue Mischung aus Natur und Gartenkultur entstand, die inzwischen weit über die niederländische Gartenszene hinausstrahlt und die Gartenkultur weltweit verändert hat. Wenn man naturnah gärtnern möchte, ist dieses Buch ein Muss, denn dort finden sich die Quellen der Inspiration, die ursprünglichen Pflanzenbiotope insbesondere in Europa, aber auch in Amerika und Asien. Wer dieses Buch gelesen hat, findet Zugang zur Schönheit nicht nur einer prärieartigen Graslandschaft, einer Uferstaudenflur und einer Bergwiese sondern auch ganz selbstverständlich einer Brache oder einer Straßenrand- und Bahndammvegetation.

 

 

 

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