Hochwasserrückhaltebecken Oberbobritzsch und Mulda

Der Naturschutzverband Sachsen e.V. ist gegen derartige technische Hochwasserprojekte, und zwar aus folgenden Gründen:

  •  Niederschlagswasser ist in der Fläche zurück zu halten. Dies erfordert eine standortgerechte Landnutzung sowohl im Landwirtschafts- als auch im Siedlungsbereich.

Im Einzeln bedeutet das: Erhalt und Wiederherstellung von Quellgebieten und Feuchtstellen, Erhöhung des Wald- und Flurgehölzanteils, Erhalt und Wiederherstellung naturnaher Bach- und Flussläufe, Verringerung von Versiegelung, Rückbau bzw. Anpassung gewässereinengender Bebauungen. Dieser Hochwasserschutz funktioniert flächendeckend, dauerhaft und entlastet die Unterlieger größtmöglich.

  • Einzelne und in ihren Baukosten teure Hochwasserrückhaltebecken können nur einen eingeschränkten Schutz bieten, da sie nur Niederschlagswasser zurückhalten, was in ihrem (relativ kleinen Einzugsgebiet) auftrifft. Sie müssen, um überhaupt effektiv zu funktionieren, optimal gesteuert werden, was aufgrund der geringen Vorwarnzeiten sehr unwahrscheinlich ist. Sie stellen eine potenzielle Gefahrenquelle dar, denn Dämme können brechen.
  • Hochwasserrückhaltebecken unterbrechen das Fließgewässerkontinuum und die Wanderbewegungen der Gewässerbewohner, sie führen zu Sedimentablagerungen und damit zu einem weiteren Eintiefen im Unterlauf, sie berauben dem Fließgewässer seine Selbstreinigungs- und Umformungskräfte, weil sie größere Hochwasserereignisse „herausregeln“. Sie widersprechen allen Forderungen nach größerer Naturnähe unserer Fließgewässer.

Verschärfend kommt hinzu, dass derartige Becken meist innerhalb von Kernbereichen von FFH-Gebiete liegen, was sowohl bei Bobritzsch als auch Mulda der Fall ist. Die Bobritzsch ist der letzte Fluss des Erzgebirges, welcher nicht durch Stauhaltungen beeinträchtigt ist und noch frei fließen kann.

Zur öffentlichen Auslegung der Planung im Jahr 2011 wurden durch die anerkannten Naturschutzverbände erhebliche Bedenken hinsichtlich Naturschutzbelangen, aber auch hinsichtlich der Wirksamkeit des Hochwasserschutzes der Becken geäußert. Die Landesdirektion Sachsen setzte sich im Abwägungsverfahren über alle diese Bedenken hinweg und erteilte im Jahr 2014 den Planfeststellungsbeschluss. Folgerichtig reichten sowohl die Grüne Liga Sachsen e.V. als auch der Naturschutzverband Sachsen e.V. Ende des Jahres 2014 Klage vor dem Verwaltungsgericht Chemnitz ein.

Der weitere Verfahrensstand soll zeitnah hier dokumentiert werden. Wer sich für die Geschichte und Details des bisherigen Verfahrens interessiert, kann hier nachlesen.

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